Sensibilität und Hochsensibilität

Sensibilität wird charakterisiert als besondere Feinfühlig- und Empfindsamkeit, die mit einer überdurchschnittlich starken Reaktion auf Reize und auch Schmerzempfindlichkeit einhergeht. Aufgrund ihrer hohen Feinsinnigkeit werden sensiblen Menschen einfühlsame und gefühlvolle Wesenszüge zugeschrieben, denen wiederum Fingerspitzengefühl entgegenkommt.

 

(Hoch-) Sensibel zu sein wird oft als Schwäche ausgelegt. Dabei kann es eine große Bereicherung für die "Betroffenen" selbst und ihr Umfeld sein, beispielsweise durch den hohen Grad an Empathie, der mit Sensibilität einhergeht.

 

Zum Persönlichkeitsmerkmal Hochsensibilität wurde bereits in den 90-er-Jahren von der US-amerikanischen Psychologin Elaine Aron geforscht und mit dem Begriff "Highly Sensitive Person" (HSP) geprägt. Neben ihren Veröffentlichungen gibt es heute auch vielerlei Literatur anderer Autoren zum Thema sowie einige weitere Studien. Eine allgemein gültige Definition von Hochsensibilität existiert noch nicht, jedoch lässt sich für hochsensible Personen u.a. Folgendes aus den bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnissen ableiten:

  • wesentlich höhere Feinfühligkeit im Vergleich zur Mehrheit der Bevölkerung
  • besonders intensive Wahrnehmung von sich selbst und der Umgebung, wie Außenreize, eigene Emotionen, zwischenmenschliche Spannungen. Störende Einflüsse sind schwer auszublenden und lösen mitunter hohe Anstrengung sowie Stress aus
  • schneller eintretende Reizüberflutung und ein entsprechend hohes Rückzugs- und Ruhebedürfnis
  • mindestens ein Sinnesorgan wird stark angesprochen, so können bspw. Gerüche, laute Geräusche, kratzige Kleidung als sehr unangenehm erlebt werden
  • ausgeprägter Blick für Details und innerer Antrieb, Zusammenhänge zu analysieren und optimieren
  • Abneigung gegen psychisch oder physisch empfundene Enge, z.B. Menschenmengen

Was einerseits als Fluch gesehen werden kann, ist Segen zugleich. Aus den o.g. vermeintlichen Schwächen resultieren natürlicherweise vielerlei Stärken:

  • hohes Einfühlungsvermögen und Mitgefühl
  • gutes Gespür für Stimmungen und sich selbst (Intuition)
  • durch die erhöhte Reizaufnahme resultierende Wahrnehmungstiefe ermöglicht oftmals besonders sinnliches Erleben, z.B. von optischen Eindrücken, Geschmackserlebnissen, Lebensfreude
  • verstärkte Empfänglichkeit für Lob und Kritik und ausgeprägtes Interesse an (vielschichtigen) Verbesserungen 
  • Präzision und Gewissenhaftigkeit
  • Sinn für Gerechtigkeit, Ästhetik und Kreativität sowie Übernahme von Verantwortung

Die Ausprägung kann bei jeder hochsensiblen Person anders sein. Es wird davon ausgegangen, dass 15-20 % der Bevölkerung Hochsensibilität betrifft. Dabei handelt es sich nicht um eine Krankheit oder Mode-Erscheinung, sondern vielmehr ein psycho- und physiologisches Phänomen bzw. eine von Geburt an bestehende Veranlagung. Die Ursache scheint neurologischer bedingt, so dass Reize vom Gehirn ungefiltert aufgenommen und wesentlich komplexer weiterverarbeitet werden als bei den meisten Menschen

 

Sensibilität tragen letztlich alle Menschen, mit verschiedenem Empfindsamkeitsgrad, in sich. (Hoch-) Sensible sind nicht "besser" oder "schlechter" als durchschnittlich sensible Personen. Jeder ist schließlich schlicht einzigartig und gut so, wie er ist.

 

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Wenn du nicht deiner Intuition folgst,

wer dann?